Projektgeschichten
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Agri-Photovoltaik als Impuls für die Diversifizierung eines landwirtschaftlichen Betriebs


Antonin Pelsy ist der Enkel von Landwirten aus dem französischen Département Meuse, wo er auch aufgewachsen ist. Für den heute 30-Jährigen war es selbstverständlich, den Familienbetrieb zu übernehmen, der sich seit mehreren Jahrzehnten auf den Getreideanbau konzentrierte.

Doch angesichts zunehmend knapper Margen – verursacht durch sinkende Verkaufspreise und steigende Kosten – entschied er sich, das Bewirtschaftungsmodell zu verändern und die Rinderhaltung wieder aufzunehmen. Dafür schloss er sich mit acht Landwirten aus der Region zu einem gemeinsamen Verbund zusammen. Gemeinsam entschieden sie sich für Agri-Photovoltaik. So entstand das Projekt Vallée de Woëvre, eine Partnerschaft zwischen Novar und Impulsion Groupe.

Die Agri-PV-Anlage bietet den beteiligten Betrieben eine wichtige technische und finanzielle Unterstützung, um ihre landwirtschaftlichen Aktivitäten langfristig zu sichern. Antonin Pelsy berichtet.

„Das Woëvre-Tal ist eine Region mit anspruchsvollen boden- und klimatischen Bedingungen. Wir haben ein kontinentales Klima und sehr tonhaltige Böden. Um die Flächen optimal zu bewirtschaften und die Kulturen erfolgreich anzubauen, ist intensive Bodenarbeit notwendig. Dafür brauchen wir leistungsstarke Maschinen, die viel Kraftstoff verbrauchen. Ohne Maschinen geht hier nichts.

Nach meiner landwirtschaftlichen Ausbildung habe ich den Betrieb meines Großvaters übernommen. Über viele Jahre war es ein klassischer Gemischtbetrieb mit Ackerbau und Viehhaltung. Für mich war es wichtig, das Familienerbe zu bewahren.

Mein Großvater hielt Milchkühe, bis die Maul- und Klauenseuche die Herde im Jahr 1964 nahezu vollständig vernichtete. Anschließend ließ er sämtliche Parzellen entwässern und entwickelte die ehemaligen Viehweiden zu Ackerflächen für den großflächigen Anbau. Angebaut wurden Gerste, Raps, Weizen und in kleinerem Umfang Mais.

Diese Strategie war rund 40 Jahre lang erfolgreich: Die Böden waren fruchtbar und reich an organischer Substanz. Dadurch erzielten wir gute Erträge, konnten mit vergleichsweise geringen Betriebsmittelkosten arbeiten und unsere Erzeugnisse gut vermarkten.“

Bodenverschlechterung verstärkt den finanziellen Druck

„Seit etwa 15 Jahren beobachten wir jedoch eine Verschlechterung der Situation. Der Boden ist ärmer an organischer Substanz und zunehmend verdichtet. Dadurch reagiert er empfindlicher auf Wetterextreme, während die Erträge immer unbeständiger werden – etwa bei zu viel Wasser oder in Trockenperioden.

Gleichzeitig sind die Preise für Kraftstoff und Gas gestiegen, wodurch sich auch unsere Betriebsmittelkosten erhöht haben. Die Getreidepreise sind dieser Entwicklung nicht gefolgt, unter anderem wegen des großen Angebots auf den Weltmärkten. Russland hat seine Getreideproduktion beispielsweise in den vergangenen 20 Jahren nahezu verdoppelt.

Unter diesen Bedingungen wird die Liquidität des Betriebs immer knapper, obwohl jedes Jahr neue Investitionen notwendig sind. Manchmal säen wir aus, können aber nichts ernten. Dadurch gerät man finanziell schnell unter Druck. Es ist ein Teufelskreis, aus dem man nur schwer wieder herauskommt.

Ich habe den Betrieb vor acht Jahren übernommen. Zum ersten Mal hörte ich vor etwa vier Jahren von Agri-Photovoltaik. Am Anfang war ich allerdings nicht überzeugt. Ich hielt es für sinnvoller, alle Flächen weiterhin für die Nahrungsmittelproduktion zu nutzen. Damals war mir noch nicht bewusst, welchen zusätzlichen Nutzen eine Agri-PV-Anlage für einen landwirtschaftlichen Betrieb schaffen kann.

Später änderte ich meine Meinung. Zunächst wurde mir klar, dass mein Raps größtenteils für die Produktion von Biokraftstoffen verwendet wurde. Und für meinen Weizen erzielte ich inzwischen keinen angemessenen Preis mehr. Zwar wird etwa jedes zweite französische Weizenkorn exportiert, doch eine auf den Export ausgerichtete Produktion ist aufgrund unserer hohen Produktionskosten nicht mehr rentabel.

Deshalb entschied ich mich, wie zu Zeiten meines Großvaters wieder zu einem Gemischtbetrieb mit Ackerbau und Viehhaltung zurückzukehren. So möchte ich die Qualität meiner Böden verbessern, organische Nährstoffe zuführen und meine Produktion breiter aufstellen.“

Ein robusteres Betriebsmodell schaffen

„Dank der Photovoltaikmodule kann ich Tiere und Kulturen besser vor den Witterungsbedingungen schützen. Vor allem erhalte ich aber eine dringend benötigte finanzielle Unterstützung, um die Investitionen für die Rückkehr der Rinderhaltung auf dem Betrieb zu finanzieren.

Ich habe in meinem Umfeld über das Vorhaben gesprochen und acht weitere Landwirte gefunden, die bereit waren, ihre Mittel zu bündeln und gemeinsam zu investieren.

Für die Planung und Umsetzung der Photovoltaikanlage haben wir Novar als Projektträger ausgewählt. Novar schlug uns motorisierte bifaziale Module mit einer Flächenüberdeckung von 30 Prozent vor. Dieses System erschien mir sehr sinnvoll.

Die Module werden in 2,4 Metern Höhe installiert. Dadurch haben die Tiere ausreichend Platz, um sich unter der Anlage zu bewegen und je nach Jahreszeit Schatten aufzusuchen.“

Für Sonia Kozlovski von Novar ist das Beispiel von Antonin Pelsy und dem für dieses Clusterprojekt gebildeten Zusammenschluss mehrerer Landwirte besonders interessant. Das Vorhaben ist Teil eines ambitionierten Plans, die Viehhaltung im Département Meuse wieder auszubauen. Gleichzeitig reagiert es auf konkrete Herausforderungen, mit denen die landwirtschaftlichen Betriebe in der Region konfrontiert sind.

„Ein Agri-Photovoltaikprojekt kann landwirtschaftlichen Betrieben dabei helfen, langfristig resilienter zu werden. Der Nutzen beschränkt sich dabei nicht auf die wirtschaftlichen Einnahmen“, erklärt Sonia Kozlovski. „Die Landwirte können ihre Bewirtschaftung diversifizieren und zusätzliches technisches Know-how aufbauen. Sie können ihre Kulturen und Tiere besser schützen und die ökologischen Prozesse auf den Flächen verbessern. Das ist ein langfristiger Vorteil für die landwirtschaftlichen Betriebe.“

Zusätzliche Einnahmen für notwendige Investitionen

„Neben einer jährlichen Vergütung für die Pflege und Überwachung des Standorts erhalten die Landwirte eine finanzielle Unterstützung für die Anpassung ihrer landwirtschaftlichen Aktivitäten. Diese kann beispielsweise zur Finanzierung eines Stallgebäudes, von Fütterungstechnik oder der Gestaltung und Verbesserung von Weideflächen beitragen.“

Die jährliche Vergütung wird zu gleichen Teilen zwischen dem Eigentümer der Flächen und dem Bewirtschafter aufgeteilt. Ihre Höhe hängt von der installierten Leistung auf der jeweiligen Parzelle ab, die in Megawatt gemessen wird.

Antonin Pelsy
Antonin Pelsy
Landwirt

Keine Nutzungskonkurrenz

Wie Sonia Kozlovski erklärt, legt das französische APER-Gesetz, das den Ausbau der Agri-Photovoltaik regelt, ausdrücklich fest, dass keine Nutzungskonkurrenz entstehen darf. Der Erhalt der landwirtschaftlichen Nutzung ist eine zentrale Voraussetzung für die Umsetzung entsprechender Projekte.

Aus diesem Grund werden die Entwicklung der landwirtschaftlichen Erträge und Einnahmen während der Prüfung des Genehmigungsantrags und über die gesamte Laufzeit der Anlage hinweg genau beobachtet. So soll sichergestellt werden, dass die landwirtschaftliche Produktivität erhalten bleibt.

„Die Landwirtschaft muss die Hauptnutzung bleiben und die Photovoltaikanlage die ergänzende Nutzung.“
Sonia Kozlovski – Head of Business Development France

Im Fall von Antonin Pelsy geht es insbesondere darum, die Viehhaltung in der Meuse wieder aufzubauen und damit neue wirtschaftliche Strukturen in der Region zu schaffen, erklärt Sonia Kozlovski.

Die installierten Module werden dem Verlauf der Sonne folgen und entlang einer Nord-Süd-Achse ausgerichtet sein. Bei maximaler Öffnung bedecken sie 30 Prozent der betroffenen Feldfläche. Bei Bedarf können sie in eine sogenannte „Ruheposition“ gebracht werden, beispielsweise während der Aussaat.

Zu den im APER-Gesetz vorgesehenen Leistungen gehört im Fall von Antonin Pelsy auch der Schutz vor klimatischen Belastungen. Gleichzeitig tragen die Photovoltaikmodule zum Tierwohl bei, indem sie den Tieren auf den Weideflächen Schatten bieten.

In einem angespannten landwirtschaftlichen Umfeld zeigt dieses Projekt, wie neue Gleichgewichte geschaffen werden können, um landwirtschaftliche Betriebe langfristig tragfähig zu halten. Agri-Photovoltaik wird dabei nicht als Ersatz für die Landwirtschaft verstanden, sondern als Instrument, das ihre Weiterentwicklung und Diversifizierung unterstützen kann.

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