Groningen, 4. Februar 2026 – Solarparks erweisen sich als fruchtbarer Nährboden für die Biodiversität. Zu diesem Ergebnis kommen Forschende der Universität Groningen (RUG) unter der Leitung von Dr.-Ing. Raymond Klaassen, der an der Fakultät für Science & Engineering ein mehrjähriges Forschungsprogramm zu den ökologischen Effekten von Solarparks koordiniert. Die neuesten Erkenntnisse zeigen, dass Solarparks nicht nur andere Arten anziehen als landwirtschaftlich genutzte Flächen, sondern sich zu einem völlig neuen Typ von Ökosystem entwickeln.
Laufkäfer als Indikatoren
Im jüngsten Zwischenbericht untersucht das Forschungsteam das Vorkommen von Laufkäfern. Diese Insekten gelten als wichtige Indikatoren für die Qualität von Ökosystemen. Da sie sensibel auf Veränderungen der Bodenstruktur, Feuchtigkeit, Beschattung und Vegetation reagieren, liefern sie schnelle Einblicke in die ökologischen Bedingungen eines Gebiets. Veränderungen in Laufkäfergemeinschaften geben Aufschluss darüber, wie ein Landschaftsraum ökologisch funktioniert.
Ein neuer Lebensraumtyp
Die Untersuchung von Solarparks in den niederländischen Provinzen Groningen und Drenthe zeigt, dass Laufkäfer dort in deutlich höheren Dichten vorkommen als auf den umliegenden Ackerflächen. Besonders Bereiche mit einer strukturreicheren Vegetation, die als ökologische Ausgleichsflächen angelegt wurden, spielen dabei eine zentrale Rolle. In diesen Zonen finden sich nicht nur mehr Insekten, sondern auch andere Arten als die typischen „Ackerarten“, die für landwirtschaftliche Flächen charakteristisch sind.
Laut Klaassen ist dies auf die besonderen Bedingungen zurückzuführen, die Solarparks schaffen: mehr Schatten und Feuchtigkeit unter den Modulen, weniger Störungen durch landwirtschaftliche Aktivitäten sowie eine größere Vielfalt an Vegetationsstrukturen. Dies führt zu Artengemeinschaften, die im niederländischen Landschaftsbild kaum vorkommen. Die Forscher sprechen daher von einem neuen Typ von Ökosystem, das weder mit Ackerland noch mit Naturschutzgebieten oder Wäldern vergleichbar ist.
Teil eines umfassenderen Forschungsprogramms
Die Laufkäferstudie ist Teil eines fünfjährigen Forschungsprogramms, in dem die Universität Groningen die Entwicklung der Biodiversität in Solarparks von der Bauphase bis zu den Folgejahren untersucht. Neben Insekten werden auch Vögel, Vegetation, kleine Säugetiere und die Bodenqualität erfasst. Frühere Berichte zeigten bereits, dass einige Vogelarten von Solarparks profitieren, während andere dort seltener vorkommen. Durch die Untersuchung verschiedener Artengruppen entsteht ein differenziertes Bild davon, wie Solarparks als Lebensräume funktionieren.
Vorsichtiger Optimismus
Die Forschenden betonen, dass Solarparks kein Ersatz für offene Agrarlandschaften sind: Arten, die auf großflächige, offene Ackerflächen angewiesen sind, bleiben weitgehend aus. Dennoch scheint die Gesamtartenvielfalt in der Landschaft zuzunehmen, da Solarparks Lebensraum für Arten bieten, die in intensiv genutzten Agrarlandschaften kaum noch vorkommen. Damit tragen Solarparks zu einer höheren ökologischen Vielfalt auf Landschaftsebene bei.
Dr.-Ing. Raymond Klaassen bezeichnet die Ergebnisse als „vielversprechend, aber noch in der Entwicklung“. Seiner Ansicht nach zeigt die Studie vor allem, dass Solarparks ökologisch wertvoll werden können, wenn sie sorgfältig geplant und bewirtschaftet werden. „Wir sehen, dass Gestaltung und Management einen großen Einfluss darauf haben, welche Arten profitieren. Biodiversitätsgewinne sind kein Selbstläufer – sie erfordern bewusste Entscheidungen, um Solarparks naturfreundlich zu gestalten.“